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keramischer Münzen und Medaillen

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Wiedervereinigung

Silvia Klöde

"Gegenstrom"
10 Jahre Wiedervereinigung

Wissenswertes über das Sammeln von keramischen Münzen und Medaillen

Keramisches Material für die Herstellung

Als Material sind alle keramischen Werkstoffe geeignet. Hierzu zählen Porzellan, Steinzeug, Ton, Majolika, also alles, was sich formen und dann brennen lässt. Nur sehr selten wird glasiert, da Glasuren die Bildschärfe beeinträchtigen. Dekore hingegen sind häufig und können die Aussagekraft der Motive erhöhen.

Zusammengefasst:
Keramische Münzen und Medaillen gibt es in vielen Materialien, vielen Farben und mit vielen Dekoren. Allen gemeinsam ist, dass die Gestaltungsmöglichkeiten weit über die von Geprägen aus Metall hinaus gehen.

Porzellan

Die meisten keramischen Münzen und Medaillen wurden und werden aus Porzellan (weißes unglasiertes Biskuit-Porzellan) und Böttger-Steinzeug (rotbraunes bis schwarzbraunes Porzellan, Markenname der Porzellanmanufaktur Meißen) hergestellt. Deshalb gilt diesen beiden Materialien das besondere Augenmerk.


Peter Strang

Peter Strang

65. Geburtstag
am 7. Juli 2001

Böttger

Johann Friedrich Böttger

Erfinder des europäischen Porzellans

Das chinesische Porzellan

Die Herstellung von Porzellan wurde in China schon sehr früh, seit der T'ang-Zeit (618-907 n. Chr.) beherrscht. Die Geburtsstunde des chinesischen Porzellans, "Yao" genannt, ist nicht bekannt. Die Chinesen haben ihre Rezepte für die Porzellanherstellung sehr streng gehütet. Der Venezianer Marco Polo brachte 1295 von seinen Reisen ins Innere Ostasiens Stücke aus Porzellan mit nach Europa. Während des Mittelalters gelangten auf Handelswegen und durch Reisende auf dem Seeweg Porzellangegenstände an die europäischen Fürstenhöfe.

Nicht nur das Neuartige und die Seltenheit dieses unbekannten Stoffes, sondern auch die Schönheit der Formen und die Leuchtkraft der Farben machte Porzellan zu einem begehrten Stoff, zum "Weißen Gold". Im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts steigerten sich die Einfuhren ostasischen Porzellans wegen zunehmender Beliebtheit ständig. Seinen Namen hat das Porzellan von einer weißen, runden Seemuschel, die in Italien "porzella" (Schweinchen) heißt.

Die Erfindung des europäischen Porzellans

Alle europäischen Versuche, eigenes Porzellan herzustellen, blieben lange Zeit ohne Erfolg. Erst Johann Friedrich Böttger, geboren am 4. Februar 1682 als Sohn des Fürstlich Reußischen Münzkassierers Johann Adam Böttger, entdeckte (bzw. erfand) 1708/1709 die Zusammensetzung von braunem und später auch von weißem (dem chinesischen) Porzellan.

Böttger, der als Apothekerlehrling in Berlin in den Ruf eines Goldmachers geraten war, floh, um einer Verhaftung zu entgehen, 1701 nach Dresden, wo er von Fürst Egon von Fürstenberg als "Goldmacher" ein Laboratorium eingerichtet bekam. Der Erfolg blieb jedoch aus. König August II. von Sachsen brachte den nunmehr inhaftierten Böttger mit Freiherrn Ehrenfried von Tschirnhaus zusammen, der sich schon seit lšngerem mit einer nützlichen Verwendung der im Lande häufig vorkommenden Mineralien und Erze beschäftigt hatte.

Böttger fand Gefallen an diesen Versuchen, gab die "Goldmacherei" auf und experimentierte nun mit diesen Mineralien. Seine Arbeit hatte Erfolg. Tschirnhaus, der mehr ein Theoretiker war, war mit großem Anteil an der Erfindung des Porzellans beteiligt.

1709 wurde auf der Leipziger Messe erstmals glasiertes und unglasiertes, braunes und weißes Porzellan vorgestellt. 1710 wurde in der leer stehenden Albrechtsburg zu Meißen eine größere Porzellanfabrik eingerichtet, Böttger wurde erster Administrator. Er wurde jedoch bis an sein Lebensende stets unter Aufsicht gehalten und durfte das Land nicht verlassen, um die Geheimnisse der Porzellanherstellung nicht preisgeben zu können.

Unter dem Druck der Unfreiheit, der jahrelangen ungesunden Arbeit an den Brennöfen und den muffigen Räumen der Albrechtsburg verfiel Böttgers Gesundheit. Er begann, vermehrt Alkohol zu trinken. Böttger starb im Alter von 37 Jahren als hoch geehrter, aber unfreier Mann.

Nach Böttgers Tod entstanden bald auch an anderen Fürstenhöfen Porzellanmanufakturen. Die Meißener Manufaktur hat bis heute ihren besonderen Ruf bewahren können, für erlesene Erzeugnisse auf hohem künstlerischen Niveau.


Karneval 2005/2006

Jörg Danielczyk

Karneval 2005/2006
Böttger-Steinzeug

Familienverband Mammen

Emil Paul Börner

Familienverband Mammen
Biskuit-Porzellan mit Dekor

Die Herstellung von Porzellanmünzen und -medaillen

Die ersten Medaillen aus Porzellan wurden bereits bald nach der Erfindung des europäischen Porzellans angefertigt. Bei diesen "frühen" Stücken (Zeitraum etwa 1720 bis 1915) handelt es sich um Portrait- und Personenmedaillen von Königen, Souveränen und Gelehrten zu deren Ehrung, aber ohne besonderen geschichtlichen Anlass. Diese Exemplare aus verschiedenen Manufakturen (z. B. Meißen, Wedgewood, Fürstenberg usw.) findet man nur in Museen, sie sind außerordentlich selten und kaum in Privathand. Es gibt auch "frühe" Abformungen von Silbermedaillen, die in Porzellan gebrannt wurden.

Als nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland die Währung verfiel, kam zur Erhaltung des Zahlungsverkehrs eine große Menge Notgeld in Umlauf. Neben zahlreichen verschiedenen Geldscheinen gab es viele Münzen aus Eisen, Zink und Aluminium.

Der damalige Direktor der Manufaktur, M. A. Pfeiffer, schaffte die Voraussetzungen zur Herstellung von Notgeld aus weißem Biskuit-Porzellan (zweimal gebranntes Porzellan ohne Glasur) und braunem Böttger-Steinzeug (ähnliche Zusammensetzung wie das damals von Böttger erfundene Böttger-Porzellan mit hohem Anteil an braunrotem Ton).

Die meisten Entwürfe für die Münzen stammten von dem Maler und Bildhauer Professor Emil Paul Börner, als Stempelschneider arbeitete der Graveur Fritz Hörnlein. Die technische Herstellung der Porzellanmünzen sah so aus:

Als erstes wurden die Entwürfe für die Prägestempel in Gipsformen angefertigt und dann gebrannt. Die aus diesen Formen (auch Handformen genannt) hergestellten Proben hatten nur geringe Auflagehöhen, oft nur 5 bis 20 Stück.

Wurden diese Entwürfe vom Auftraggeber für gut befunden, so wurden entsprechende Stahlstempel geschnitten. Diese waren etwa ein Sechstel gröer als die herzustellenden Münzen, denn das Material schwindet beim Brennen. Da weißes Porzellan mehr schwindet als braunes Böttger-Steinzeug, sind die weißen Münzen kleiner als die braunen, obwohl sie von demselben Stempel stammen.

Als Motive für die Münzen erscheinen nicht die "Köpfe", die Jahrtausende hindurch das Münzbild bestimmten, sondern Darstellungen und Symbole aus der Arbeit, der Not und dem Leben der Menschen, gekennzeichnet von künstlerischer Ausdruckskraft zwischen Realität und Sinnbild.

Viele Stücke wurden nach dem Brennen mit verschiedenen Dekoren versehen und danach noch ein weiteres Mal mit niedrigerer Temperatur gebrannt. Außer diesen Notmünzen wurden auch Gepräge zu anderen Zwecken hergestellt, z. B. Spendenmünzen als Gegengabe für eine bestimmte Spende. Außer Meißen beteiligten sich auch andere Manufakturen an der Herstellung von Notmünzen, und nicht nur aus Porzellan, sondern auch aus anderen keramischen Materialien.

Mit der Einführung der Rentenmark im Jahre 1923 wurde die Verwendung von Notgeld verboten. Die Manufakturen verlegten ihre Tätigkeit nun auf die Herstellung von Medaillen zu den verschiedensten Anlässen und mit den unterschiedlichsten Motiven und Dekoren. Medaillen aus Porzellan und anderen keramischen Massen sind seither in großer Zahl hergestellt worden, und es gibt auch heute noch jedes Jahr viele neue Ausgaben.


Porzellanausstellung

Manufaktur Rosenthal

Porzellanausstellung zur 500-Jahr-Feier der Stadt Selb

Warum sammelt jemand Porzellanmünzen und -medaillen? oder
Was ist das Besondere an diesem Sammelgebiet?

Das Besondere ist die Schönheit und die Vielfalt der Objekte.

Es sind die vielen interessanten und ansprechenden Motive, die Farben und Formen sowie die keramischen Materialien mit ihren unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten, die den Reiz dieses Hobbys ausmachen.

Die kleinste Porzellanmünze hat einen Durchmesser von 10 Millimetern, es gibt Plaketten bis zur Größe einer halben DIN-A4-Seite.

Eine mit Geduld und Hingabe zusammengetragene Sammlung ist für jeden Betrachter immer ein Erlebnis. Es ist viel Initiative notwendig, um weiterzukommen. Notwendig ist der "heiße Draht" der Sammler untereinander, ebenso der gute Kontakt zu den Manufakturen, zu Auktionen (auch im Internet) und Händlern.

Wer einmal Feuer gefangen hat, wird nicht mehr aufhören. Das liegt an dem Gefühl, das man hat, wenn man die Stücke in die Hand nimmt und auf sich wirken lässt.

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